Montag, 25. August 2008

Fernseher gegen Theater

Es ist Krieg. Die Fronten sind verhärtet. Die Opfer kommen, wie so oft, aus der Zivilbevölkerung. Wie erstaunlicherweise auch die Täter. Wie der Krieg ausgeht, ist völlig offen. Aber die Guten machen Boden gut. Worum geht es? Um die Qualität der Unterhaltung, um die Zeit der Menschen.

Es ist klar: Zeit ist das wertvollste Gut dieser Tage. Was machst Du heute, was machst Du morgen? Es gibt, insbesondere in großen Städten, endlos viele Möglichkeiten, die eigene Freizeit zu gestalten und alle Anbieter von schnellen Vergnüglichkeiten konkurrieren um diese Zeit. Da muss man schon mal in den sauren Apfel beißen und ein paar von den Wochenendparties absagen, um es wenigstens zu den anderen drei zu schaffen. Und dann ist da noch der lange geplante Kinobesuch. Und Peter hat man auch ewig nicht gesehen. Bei so vielen Alternativen entscheidet man sich für die schnellen und leichten. Beliebt sind Kino, "auch mal nichts tun", und natürlich der Fernseher. Dort ist wenigstens Ruhe. Man muss nichts entscheiden, es rieselt schön aus der Röhre auf einen herab und es hört und hört nicht auf. Jede Soap hat eine Fortsetzung, jede Serie will und will nicht aufhören. Ob Jugendliche gespielt verurteilt werden oder komplizierte Rätsel per Telefon gelöst werden müssen, es ist erstaunlich, wie fesselnd dieser Schwachsinn einen in seinen Bann schlagen kann. Vielleicht ist es er alte Reflex: Man könnte ja etwas verpassen. Unwahrscheinlich, sage ich.

Doch dann gibt es den schwierigen Weg. Raus. Dort gibt es Menschen, die jahrelang lernen, wochenlang proben, um etwas live, wirklich, echt auf eine Bühne zu bringen. Das ist teuer, das kostet Zeit, das bringt dem Zuschauer so viel mehr. Aber natürlich ist es nicht auf der Couch und man muss ein wenig mehr Enthusiasmus mitbringen. Ach ja, und es läuft auch nicht ewig. Danach muss man (oh Schreck!) vielleicht noch mit den Schauspielern reden und dann auch noch selbst nach Hause fahren.

Wir merken: Es konkurriert hier nicht das eine Theater mit dem anderen, alle Theater konkurrieren gemeinsam mit Fernseher und Kino. Und entschieden wird er (wieder einmal) nicht von den Gegnern, sondern entschieden wird der Konflikt von Dir.

Und was machst Du morgen? Guck' doch mal bei http://www.loge2.de/kulturkalender und such' Dir was schönes raus. Du wirst es nicht bereuen!

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da kann ich Dir nur recht geben - so ist es. Tolles Projekt!

Anonym hat gesagt…

Kann nicht mal jemand die Umkehr erfinden. Theater daheim mit Garantie des guten Gewissens auch moralisch richtig zu liegen.

Anonym hat gesagt…

Lieber Sven,

Deine Betrachtungsweise erscheint mit zu radikal.

Auch wenn für mich Fernseher und Theater als "Unterhaltung" angesehen werden, spielen beide in ganz verschiedenen Ligen. Das eine ist Fast Food, das andere 5 Sterne-Restaurant.

Beide gegeneinander aufzuhetzen ist meiner Meinung nach wenig zielführend. Den Fernseher kann ich für 30 Minuten anschalten, um mal kurz zu entspannen. Das geht schnell, ist sofort verfügbar und kostenlos. Theater oder Konzerte benötigen Planung, nehmen 3-6 Stunden Zeit in Anspruch und kosten nicht zuletzt teils einen erheblichen Betrag, so dass ich mir solche Ereignisse höchstens zweimal im Jahr gönne.

Das ist dann wiederum ein echtes Erlebnis, auf das ich mich Wochen vorher freue und von dem ich Wochen nachher noch zehren kann.

Kultur ist für mich wie ein guter Wein: Es braucht einen Rahmen, um ihn genießen zu können.

Steffen